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Rentenversicherungspflicht Teil 2

 

30.9. endlich? Endlich!

Am 30.9. 2001 ist die Möglichkeit für Trainer beendet, sich aufgrund des Alters oder anderweitiger Altersvorsorge von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Dieses Datum gibt der Trainerlandschaft Anlass, nachzudenken. Es gibt auch Anlass, kritisch die letzten Monate und Jahre zu würdigen. Viele Trainer meinen sicher beim Gedanken an den 30.9. „endlich?“. Der Verfasser meint dennoch „endlich!“. Die folgenden Gedanken mögen manchen in der Branche verärgern. Doch sollten wir als Profis konfliktfähig genug sein, den Ärger zu Lösungen weiterzudenken. Sollte sich manches etwas polemisch lesen, bittet der Verfasser um Nachsicht: nach Wochen von Telefonaten zu diesem Thema ist man etwas erschöpft.

 

 

 

Der Gesetzgeber

Der Gesetzgeber hatte 1998 einen klaren politischen Willen ins Gesetz geschrieben: Bekämpfung der sog. Scheinselbständigkeit in Durchführung eines Wahlversprechens. Diesen Willen kann man mit guten Gründen hinterfragen. Es entspricht jedoch demokratischer Tradition, das die Parlamentsmehrheit Gesetze beschließt und erwarten darf, dass sie befolgt werden. Der Gesetzgeber hat dafür eine Übergangsfrist gegeben, die zunächst 1999 auslaufen sollte. Er war dann so entgegenkommend, diese Frist immer wieder zu verlängern. Nun, mehr als 2 Jahre später, läuft sie endgültig aus. Der Gesetzgeber hätte nun nochmals verlängern können oder andere Regelungen treffen können. Doch wer hat ihn gebeten? Wer hätte ihn überhaupt bitten können? Zahllose Kleinst- und Kleinverbände sowie wenige mittelgroße Verbände, die es bisher nicht geschafft haben, sich zu einheitlicher politischer Willensäußerung zusammenzufinden? Wer also mit einer Größe, die dem Gesetzgeber auch nur Gehör zumuten könnte? Was wäre vom Gesetzgeber zu erwarten gewesen, wenn er denn überhaupt den damaligen Willen umsetzen wollte? Es ist einfach, auf den Gesetzgeber zu zeigen; aber schauen wir uns doch einmal die anderen Akteure an.

 

 

 

Die BfA

Die BfA hat die Aufgabe, den gesetzgeberischen Willen umzusetzen. Dies hatte sie schnell angegangen. Und dabei für die Fälle, in denen man nicht von „Schein-„ sondern von „echter“ Selbständigkeit sprechen musste, für die Trainerszene eine Bestimmung wiederentdeckt, die Jahrzehnte nahezu unangewendet geblieben war: den „selbständigen Lehrer“. Vertrauensschutz? Fehlanzeige. Selbst dort, wo die BfA vor Jahren dem Trainer gesagt hatte: Du bist nicht pflichtversichert. Entspricht das der Auffassung der BfA vom Gebot des Sozialgesetzbuches, zum Vorteil und Schutz des Betroffenen Hilfe und Unterstützung zu leisten? Und wenn sich der Betroffene bei der BfA informieren wollte: „das macht ein anderer Kollege“ „wer?“ „das wissen wir auch gerade nicht“. Unzuständigkeiten, Unkenntnis der Rechtslage, ja weitgehend der eigenen Informationen auf der Website http://www.bfa.de. Unklar, wer entscheiden soll, unklar, was entschieden wird, unklar, welche Informationen man möchte. „Altersvorsorge auch durch den Familienverbund Verheirateter?“ – Schweigen, Stammeln, endlose Leere. Für alle Beteiligten war dieser Zustand der BfA eine Zumutung.

 

Doch auch hier sei gefragt: wer hätte mit der BfA Gespräche führen sollen? Welche greifbare Gesamtvertretung der Trainerlandschaft hätte Lösungen einfordern können? Hier ein Verbändchen, dort ein Verband. Man trifft sich, hat Berührungsängste und schielt auf die vermeintliche Gefahr, Trainer an andere Verbände zu verlieren. Die BfA offenbar überfordert. Doch Hilfe von Seiten der Trainer? Es ist einfach, die BfA zu kritisieren. Aber lehren Trainer nicht, anstelle von Kritik Hilfe und Lösungen anzubieten?

 

 

 

Die Trainerverbände

Die Trainerverbände bilden eine heterogene Vielfalt der wesentlichsten Trainingsansätze, -methoden usw. in der Trainingslandschaft. Das ist gut so und bereichert den Markt. Doch soll das Alles sein? Als der Verfasser 1998 warnend seine Stimme erhob, blieb er derart ungehört, dass ihm ein Jahr später sogar vereinzelt die Frage gestellt wurde, warum er denn seine Stimme nicht erhoben habe. Ansonsten war das Echo 1998: betrifft uns doch gar nicht. Manche haben dann noch einmal einen anderen Berater gefragt. Doch gewollt war ein Patentrezept, nicht wirklich der Aufbau eines tragfähigen Konzepts. Gefragt war der Berater mit der schnellsten Lösung.

 

Entsprechend war die Hilfestellung mancher Verbände für die Trainer(-innen), jedenfalls nach dem, was der Verfasser aus zahllosen Telefonaten mit Mandanten erfuhr: „wir sind nicht betroffen“ – seit wann ist der Verband die BfA, dass er das entscheiden kann? „Gründet eine GmbH, dann seit ihr raus“ – woher wusste ein Verband, was unter professionellen Beratern höchst umstritten war?

 

Doch was soll ein Verband eigentlich? Soll er für den Trainer verbilligte Handy-Abos organisieren und schnelle Rezepte aus dem Hut zaubern oder soll er die Interessen der Trainer kanalisieren und artikulieren? Außerhalb der Trainerlandschaft ist die Antwort klar: will man politisch Gehör finden, sei es bei Behörden oder beim Gesetzgeber, muß man stark sein und einheitlich sprechen. Das es der Trainerlandschaft daran fehlt, zeigte bereits das „Lebensbewältigungshilfegesetz“. Seit dem sind mehrere Jahre vergangen; in der Verbandslandschaft bewegt sich etwas. Doch wer nimmt es außerhalb der Verbände wahr? Denn man ist in den Jahren immer noch auf dem Weg und weiß noch gar nicht ob man ein Ziel hat und wenn ja welches. Da möchte man rufen: Trainer, trainiert einmal Eure Verbände. Wie steht es mit den Themen Teamfähigkeit, Effizienz, Planung, Gestaltung, Querdenken, Marketing und Verkauf von Ideen und Vorstellungen, aktive Gestaltung statt passives Warten? Die seit Jahrzehnten elementarsten Gesetzesvorhaben für Trainer sind geplant, realisiert und umgesetzt worden, ohne dass die Trainer gehört wurden. Nicht, weil Gesetzgeber oder Behörden kein offenes Ohr hätten. Im Gegenteil: immer wieder kamen Signale, dass man hören wollte. Doch wo war eine gemeinsame Stimme der Verbände? Das Lebensbewältigungshilfegesetz versank in der Schublade und damit vielleicht auch manches andere. Nun ist der 30.9.2001 gewesen. „Auf Wiedersehen“ an die Hoffnung, die Verbände zu einer Stimme zu formen, die wenigstens in elementaren Fragen sprechen kann?

 

Die christlichen Kirchen haben es in den vergangenen Jahrzehnten vorgelebt: man muß ja nicht so einheitlich sein, wie die katholische Kirche. Doch sollten auch die diversen evangelischen Kirchen in der Lage sein, irgendetwas politisch mit zu gestalten. Die evangelischen Kirchen haben es gelernt, ohne ihre verschiedenen Bekenntnisse aufzugeben. Vielfalt und Stärke sind kein Widerspruch. Doch bei den Trainern könnten die unzähligen Einsätze aller Ehrenamtler und das fast grenzenlose Engagement Einiger bei dem verpuffen, was Juristen etwas hart das „Stricken von Norwegerpullovern“ nennen.

 

 

 

Die Berater

Die Berater waren schnell: Patentlösungen wie die GmbH u.ä. waren schnell geschaffen und verkauft. Doch welcher Steuerberater kennt nicht das Verbot der Umgehungsgestaltung? Wieso glaubt man, es gäbe so etwas nicht auch im Sozialversicherungsrecht? Und welcher Anwalt stellt sich nicht Fragen von Zuständigkeit und Bestandskraft bei behördlichen Entscheidungen? Wieso gibt man die eigene Rechtsauffassung zum Besten, statt klar zu sagen, dass eine Lösung nur im Dialog mit der BfA zu finden sein kann. Hier hat vermeintlich guter Rat vor allem trügerische Sicherheit produziert. Warum trauen sich Berater nicht einzugestehen, dass ein Problem neu ist, keine oder für statistische Signifikanzen unzureichend wenig Rechtsprechung existiert? Und warum sagen die Berater nicht zumindest eines deutlich: sucht die BfA Argumente für die Bewertung von Gestaltungen als Umgehungsgestaltungen, dürfen doch nicht allen Ernstes „Patentlösungen“ mit dem Leitspruch kommuniziert werden „so umgeht ihr“ oder „so entkommt ihr“? Wir Berater sollten einmal in uns gehen und fragen, ob wir außer an dem Geld der Mandanten auch noch an der Lösung ihrer Probleme interessiert sind.

 

 

 

Die Trainer(-innen)

Trainer(-innen) verkaufen modernstes Know-How. Sie helfen bei der aktiven Vermarktung und suchen für schwierige Situationen angemessene Lösungen. Sie haben ein gutes Argument gegenüber den Kunden: investiert in Weiterbildung, denn das zahlt sich aus.

 

Und hier: „ich habe mal eben eine Frage, nur ganz kurz“ – Geld zahlen für Know-How? Eine ziemlich dreiste Forderung. „Es gibt keine einfache Lösung, wir müssen uns auf einen schwierigen Weg begeben“ – Was ist das für ein Berater, der einen Weg vorschlägt?
Was würde ein Trainer zu seinem Kunden sagen, wenn der Kunde über Jahre die Augen vor einem Problem verschließt und kurz vor dem „GAU“ sagt: woher hätte ich das denn wissen sollen?

 

Und schließlich kennt man von Trainern den Vorwurf, der Kunde schiebe ein Fahrrad neben sich her und habe vor lauter Eile nicht die Zeit, das Fahrrad zu besteigen. Und die Trainer(-innen)? Warum fragen jahrelang nur wenige, im letzten Monat jedoch zahllose?

 

 

 

Und nun?

Wie wäre es als Beispiel mit einem Trainerversorgungswerk wie bei den Kammerberufen (Ärzte, Anwälte usw.)? Man wird kurz die Berater fragen, die werden sagen, das setze eine Kammer voraus und das wird es gewesen sein. Aktive politische Gestaltung, neue Wege? „Das werden wir nie schaffen“. Eine gemeinsame Stimme? „Wir wollen lieber den Reichtum der Vielfalt und beides geht nicht“. Und wann kommt das nächste Problem für die Trainer ohne Eingriff der Verbände? „Schaun wir mal, dann sehn wir schon“. Und das Kaninchen vor der Schlange hat ja auch etwas recht Ästhetisches oder?

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