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Minijobber und Studentische Hilfskräfte

Einleitung

  1. Minijobber (bis 400 Euro) sind frei von Versicherungsbeiträgen und bekommen ihren Brutto-Lohn netto ausbezahlt.
  2. Der Arbeitgeber muss 30 % des Lohnes vom Minijobber versteuern.
  3. Studentische Hilfskräfte (Studenten mit Lohn über 400 Euro) müssen die Hälfte des Rentenversicherungsbeitrags von 19.5 %, also 9,75 % versteuern.
  4. Die andere Hälfte (9,75 %) trägt der Arbeitgeber.
  5. Ab 900 Euro ist die Studentische Hilfskraft zusätzlich zur Abgabe von Lohnsteuer verpflichtet (diese ist jedoch sehr gering; < 10 Euro)
  6. Ein Student kann sich nicht freiwillig als Studentische Hilfskraft abrechnen lassen, wenn er mit seinem Monatslohn unter 400 € bleibt.
  7. Wichtig für die Studenten: Studenten müssen sich bei einem durchschnittlichen Monatslohn von über 350 € im Kalenderjahr selbst krankenversichern und können nicht mehr die Familienversicherung nutzen. Eine Krankenversicherung kostet als Student ca. 56 € monatlich.

Umsetzung

  1. Die Umsetzung lässt sich durch eine Vertragsänderung bewerkstelligen.
  2. Hierzu muss auf den im Vertrag vereinbarten Lohn (bspw. 10 Euro) der RV-Anteil der Studentischen Hilfskraft sowie die auf die Lohnerhöhung anfallenden Abgaben hinzu gerechnet werden.
  3. Es sind also keine 9,75 % Lohnerhöhung, da auf die 9,75 % Lohnerhöhung noch mal 9,75 % Abgaben anfallen.
  4. Somit errechnet sich eine Lohnerhöhung von 10,75 %, auf welche der Vertrag zu ändern wäre.
  5. Dies wären folgende Erhöhungen:
     8 Euro auf 8,86 €
     10 Euro auf 11,08 €
    (jeweils 10,75 % hinzugerechnet)
  6. Des Weiteren muss im Vertrag eine Verpflichtung verankert werden, dass die Studentische Hilfskraft so viele Stunden arbeitet, wie beim jeweiligen Stundenlohn benötigt werden, um 400 € Bruttomonatslohn zu übersteigen. Also z.B. bei 10 Euro Lohn min. 40 Stunden.
Beispiel
  • Studentische Hilfskraft Anton soll 10 Euro netto verdienen
  • Ihr Lohn wird im Vertrag auf 11,08 € geändert
  • Die Lohnbuchhaltung kann weiterhin wie gewohnt abrechnen (sieht ja die Lohnerhöhung in der Abrechnung)
  • Die Studentische Hilfskraft arbeitet im Monat März 70 Stunden
  • 70 x 11,08 € ergeben 775,60 € Brutto-Lohn für Anton
  • Auf diese 775,60 € muss Anton nun 9,75 % Rentenversicherung zahlen
  • Diese 9,75 % werden wie gewohnt von der Lohnbuchhaltung abgezogen
  • 775,60 € x 0,0975 ergibt einen RV-Beitrag von 75,62 €
  • 775,60 € abzüglich des RV-Beitrags von 75,62 € ergibt knapp 700 Euro (Cent-Differenzen sind hier normal, wegen Rundung der Beträge)
  • 700 € geteilt durch 70 Stunden ergibt also einen Nettolohn von 10 Euro
  • Anton hat 10 Euro Netto-Lohn bekommen und der Arbeitgeber hat gegenüber einer Versteuerung als Minijobber 9,5 % gespart
Problem
  1.  Die Studentische Hilfskraft muss jeden Monat die Entscheidung treffen, ob es sich lohnt über 400 Euro zu verdienen oder nicht.
  2. Ein Lohn von bspw. 410 Euro würde einen Verlust für die Studentische Hilfskraft ergeben, da sie ab 400 Euro einen Rentenversicherungsanteil von 9,75 % zahlen müsste. In unserem Beispiel wären dies 39,98 Euro, also knapp 40 Euro. D.h. die Studentische Hilfskraft hätte einen Verlust gemacht, da sie nur 370 Euro ausbezahlt bekommt. Und sie hätte länger dafür gearbeitet.
  3. 3. Somit lohnt es sich für eine Studentische Hilfskraft nur dann über 400 Euro zu verdienen, wenn dieser Verdienst weit über 400 Euro liegt.
  4. Nachteil für den Arbeitgeber: Vielleicht hat die Studentische Hilfskraft noch Arbeit, kann sie jedoch nicht erledigen, da es sich für sie nicht rentiert über 400 Euro zu gelangen.
  5. Der Arbeitgeber müsste also infolgedessen statt einer studentischen Hilfskraft die über 400 Euro verdient, mehrere Minijobber einstellen, die alle unter 400 Euro verdienen. Qualifizierte Minijobber müssten gefunden und eingearbeitet werden –> Arbeitsaufwand.
  6. Angenommen drei Minijobber erledigen die Arbeit einer Studentischen Hilfskraft, weil diese nicht bereit ist aus Kostengründen über 400 Euro zu verdienen. Alle drei Minijobber müssten koordiniert werden, anstatt einfach einer Person die anfallende Arbeit zu übertragen. Zudem müssten alle Minijobber mit 30 % pauschal versteuert werden.

Übernahme des Rentenversicherungsanteils vom Arbeitgeber

  1. Eine mögliche Lösung wäre die Übernahme des Rentenversicherungsanteils von der Studentischen Hilfskraft.
  2. D.h. der Arbeitgeber würde sobald die Studentische Hilfskraft über 400 Euro gelangt, den Rentenversicherungsanteil übernehmen und volle 19,5 % zahlen.
  3. Vorteil: Die Studentische Hilfskraft bräuchte sich keine Gedanken machen, wie viel sie arbeiten kann, und würde immer ihren Nettolohn (von z.B. 10 Euro) verdienen.
  4. Zudem brächte die Übernahme des Rentenversicherungsanteils dem Arbeitgeber eine Ersparnis.
  5. Im Vergleich zur Versteuerung eines Minijobbers mit 30 % bräuchte der Arbeitgeber trotz einer Übernahme des Rentenversicherungsanteils nur 19,5 % zahlen, zuzüglich der 9,75 % die wiederum auf die Lohnerhöhung anfallen. Damit errechnet sich ein Steuersatz von gesamt 20,5 % für den Arbeitgeber.
  6. Der Arbeitgeber zahlt also 30 % unter 400 Euro und 20,5 % über 400 Euro. Somit ergibt sich eine Ersparnis von 9,5 %.

Kostenübersicht

Zusätzliche Kosten pro Stunde bei einem Stundenlohn von 10 Euro netto mit Übernahme des RV-Anteils vom Arbeitgeber:

 

 Unter 400 €  Über 400 € Über 898 €
 Arbeitgeber 3,00 € /Std. 2,05 € /Std. 2,05 € /Std.
 Arbeitnehmer 0 € /Std. 0 € /Std. 0,08 € /Std.*

 

*Lohnsteuer steigt mit dem Lohn ab 898 € und ist abhängig von der Lohnsteuerklasse (hier LSK 1)

Zusätzliche Kosten pro Stunde bei einem Stundenlohn von 10 Euro netto ohne Übernahme des RV-Anteils vom Arbeitgeber:

 

 

 Unter 400 €  Über 400 € Über 898 €
 Arbeitgeber 3,00 € /Std. 0,97 € /Std. 0,97 € /Std.
 Arbeitnehmer 0 € /Std. 0,97 € /Std. 0,08 € /Std.*

 
*Lohnsteuer steigt mit dem Lohn ab 898 € und ist abhängig von der Lohnsteuerklasse (hier LSK 1)

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