skip to Main Content
+49 (700) 34778539 info@firstlex.de Login
[layerslider id="6"]

Haftung bei Seminardurchführung

firstlex Rechtsanwälte Vertragsrecht - Haftung bei Seminardurchführung
Kann Training schlecht sein?

Angenommen, ein Unternehmen will ein Seminar durchführen. Dann sieht es sich einer fast unüberschaubaren Masse an Trainern und Trainingsangeboten gegenüber. Die Auswahl fällt da bisweilen nicht leicht. Woran soll das Unternehmen den Trainer messen? Und wie verhindert es, daß es ohne eigene Kenntnis einen Trainer beschäftigt, der aus dem Bereich der Scientology-Church kommt? Und was ist zu tun, wenn sich der Trainer als Fehlgriff erweist?
 
 
 
Wer bewertet den Trainer?

Die Frage, wie man die Leistung eines Trainers bewerten will, ist nicht ohne weiteres zu beantworten: wie will man die gesteigerte Motivation nach einem Motivationstraining ermitteln? Meist versucht man, die subjektive Zufriedenheit zum Maßstab zu machen. Aber wer soll zufrieden sein: das Unternehmen, die Teilnehmer, beide? Hier nach einem objektiven Maßstab suchen zu wollen, ist sicher nicht sehr weiterführend. Zumal Training eine intellektuelle Dienstleistung und gerade kein technisches Produkt ist. Eine objektive Beurteilung ist auch nicht unbedingt erforderlich, denn viel besser ist es, vor dem Training zwischen Kunden und Trainer vertraglich verbindliche Erfolgskriterien festzuschreiben. Was auch immer zum Maßstab wird, es sollte eine klare Aussage über "gut oder schlecht" zulassen. Es sollte im Vertrag festgelegt sein. Und es sollte eine vertragliche genau definierte Sanktion zur Folge haben, wenn die Aussage "schlecht" bei der Bewertung herauskommt. Nur eine klare Regelung führt hier an einem Streit vorbei, wenn ein solches Problem nicht über die Kulanz des Trainers gelöst werden kann.
 
Bei der Beurteilung des Trainers im Vorfeld als "geeignet" kann bis zu einem gewissen Grad auch auf die Einbindung des Trainers in Organisationen herangezogen werden.
 
 
 
Wie sind Trainer organisiert?

Trainer sind heute überwiegend in Verbänden zahlreichen organisiert. Meist haben die Mitglieder einen gemeinsamen Trainingsinhalt (z.B. Verkaufstrainer) oder eine gemeinsame Methode (z.B. NLP, Suggestopädie, Kinesiologie etc.). Oder sie schließen sich zu einem offenen Netzwerk zusammen (wie z.B. dem Trainertreffen Deutschland). Die Mitgliedschaft bindet den Trainer an Satzungsbestimmungen, über die sich der Auftraggeber durch den Trainer informieren lassen sollte. Diese Einbindung bietet einen recht guten Anhaltspunkt für die Hintergründe, auf denen der Trainer seine Trainings aufbaut. Einige der wichtigsten und größten Verbände sind im Kooperationstreffen der Weiterbildungsorganisationen Mitglied, in dem die Verbände gerade auch die Fragen der Trainerqualität, der Trainerqualifikation und der ethischen Einbindung des Trainers/Trainings diskutieren.
 
Das "Kooperationstreffen der Weiterbildungsorganisationen" hat übrigens auch einen Berufs-Kodex für die Weiterbildung herausgegeben, dem sich Trainer verpflichten können und der dadurch auch für die Unternehmen ein größeres Maß an Sicherheit vor dubiosen Anbietern verspricht.
 
 
 
Wie sichert man sich gegen "Scientology-Trainer"?

In vielen Unternehmen und Organisationen besteht der Wunsch, nicht mit einem Trainer zusammenzuarbeiten, der aus dem Hintergrund der Scientology-Church kommt. Zu spät ist es, wenn man dies erst während des Trainings merkt. Deshalb sollte man einen solchen Wunsch ebenfalls zur Grundlage des Trainervertrags machen. Dazu sind besonders sog. Anti-Scientology-Schutzklauseln verbreitet. Sie müssen wegen der Besonderheiten dieser Gruppierung auf eine ganz besondere Art formuliert sein, will man Überraschungen mit dem Trainer auf jeden Fall vermeiden.
 
Allerdings gibt es neben Scientology auch noch andere Richtungen, Institutionen und Trainer, deren Methoden und/oder Inhalte in der Weiterbildungslandschaft nicht unumstritten sind.
 
Nicht zuletzt um in diesem Punkt eine öffentliche Diskussion zu moderieren haben die im "Kooperationstreffen der Weiterbildungsorganisationen" zusammengeschlossenen Verbände auf der "Bildungsmesse 2000 Interschul / didacta" im Februar 2000 in Köln ein "Forum Werteorientierung in der Weiterbildung" gegründet.
 
Das Unternehmen, das einen Trainer einsetzen will, darf sich jedoch nicht erhoffen, irgendwann einmal der eigenen Entscheidung enthoben zu sein, ob eine Methode z.B. als förderlich, seriös o.ä. zu bewerten ist. Dies wird letztendlich immer auch der Nachfrager für sich selbst entscheiden müssen. Will er Methoden oder Inhalte aus dem eigenen Unternehmen heraushalten, ist eine vertraglich sorgfältige Regelung unbedingt erforderlich.
 
 
 
Welche vertraglichen Möglichkeiten hat der Auftraggeber?

Der Auftraggeber hat vertraglich alle Möglichkeiten, seine Interessen zu wahren; wenn er es denn tut! Das Problem in der Praxis ist nämlich meist, daß im Trainervertrag wesentliche Gestaltungen nicht zu finden sind:
die angesprochenen Beurteilungsmaßstäbe,

die angesprochene Sanktion bei Nicht-Erreichen einer Minimal-Größe
Zum Beispiel kann man vorsehen, daß die Teilnehmer den Trainer nach Punkten zwischen 1 und 5 in diversen Kategorien bewerten; man kann dann weiter regeln, daß z.B. das Honorar nicht anfällt, wenn der Durchschnitt aller Bewertungen unter 4.0 oder unter 3.5 liegt. Doch Vorsicht: hier darf der Maßstab auch nicht zu hoch angelegt werden: der Trainer hat einen freien Dienstleistungsvertrag, er haftet also nicht auf einen positiven Erfolg. Die Sanktion muß daher schon deutlich auf einen krassen Ausrutscher nach unten beschränkt bleiben.

Die Scientology-Klausel könnte vorsehen, daß sich der Trainer verpflichtet dieser Gruppierung (oder einer anderen, die das Unternehmen für unerwünscht hält) nicht anzugehören oder angehört zu haben sowie daß er die Lehren des Gründers ablehn. Und daß dann, wenn sich Gegenteiliges herausstellen sollte, das Honorar nicht anfällt und zudem eine Vertragsstrafe zu zahlen ist. Allerdings sollten Vertragsstrafeklauseln immer mit dem juristischen Fachmann durchgesprochen sein, will man deren Unwirksamkeit vermeiden.

Der Trainer kann auch z.B. auf den Einsatz einer bestimmten Methode verpflichtet werden, er kann auf festgelegte Lernziele verpflichtet werden usw.

Bei allem sollte man sich zurückbesinnen auf den urspünglichen Ansatz des Vertragsrechts: das Zivilrecht will nicht Verträge, die juristisch auf das sauberste "durchgestylt" sind; vielmehr will es, daß die Vertragspartner ihren kaufmännischen Willen klar formulieren und solange mit einander verhandeln, bis die Willenserklärungen einander decken. Und genau in diesem Bereich haben in Deutschland heute in der Praxis die meisten Verträge ihre Schwächen. Man vertraut Formularen aus dem Buchhandel, auf CD oder aus dem Internet und übersieht, daß auch das beste Formular nicht den eigenen kaufmännischen Willen ersetzen kann.
 
 
 
Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist?

Doch was, wenn das Training mißglückt ist oder der Trainer doch aus der "falschen Szene" kommt? Hier wird es schwer für das nachfragende Unternehmen, wenn es nicht im Vertrag durch klare Bestimmungen geschützt ist. Zwar kann der Trainer theoretisch in Anspruch genommen werden. Aber: für einen Schadensersatzanspruch z.B. muß es irgendeinen Schaden geben. Und worin sollte ein materieller Schaden bestehen? Wie will das Unternehmen ihn gerichtsfest nachweisen? Und für eine Honorarkürzung muß das Unternehmen mindestens nachweisen, daß eine erhebliche Schlechtleistung erfolgte. Doch wie will man das "schlecht" bestimmen, wenn man übersehen hat, das "gut" zu bestimmen? Prozesse in diesem Zusammenhang sind meist nicht weiterführend.
 
 
 
Was tun bei einem Streit?

Ein Streit sollte nach Möglichkeit durch eine sorgfältige Gestaltung im Vorfeld vermieden werden. Meist kann man ja nur deshalb unterschiedlicher Auffassung sein, weil nicht rechtzeitig, nämlich in der Phase des Vertragsschlusses, das Wichtigste genau umrissen wurde: was wollen beide Seiten? Und warum sollte ein Unternehmen, das in allen Funktionen professionell arbeitet, gerade in vertraglichen Fragen laienhaft werden? Gerade unter Kaufleuten ist die klare Sprache ein Teil des Verhandelns.
 
Wenn es aber doch soweit kommt, sollte deutlich sein: Streitigkeiten vor einem staatlichen Zivilgericht zu klären, ist meist nicht interessengerecht. Ein Prozeß dauert heute meist zu lange und ist oft, undzwar gerade in der Weiterbildungslandschaft, mit Kosten verbunden, die im Verhältnis zum Wert außer Verhältnis stehen. Deshalb sollte man sich nicht scheuen, im Trainervertrag vorzusehen, daß Streitigkeiten unter Ausschluß der staatlichen Gerichte vor einem Schiedsgericht geklärt werden. Diese Möglichkeit bietet die Zivilprozeßordnung. Und nicht nur für den Sport, sondern für nahezu alle Streitigkeiten, die zivilrechtlich durch Vergleich beigelegt werden könnten. Allerdings bietet das Schiedsgericht auch in dem Fall, daß eine gütliche Einigung nicht erreicht werden kann, Schutz: sein Urteil ist genauso vollstreckbar wie das Urteil eines staatlichen Gerichts.
 
Für die Weiterbildungslandschaft wurde in Zusammenarbeit mit dem Trainertreffen Deutschland und dem o.g. Kooperationstreffen das Schiedsgericht der Weiterbildungswirtschaft mit Sitz in Hamburg gegründet. Man kann jedoch auch z.B. die IHK oder eine andere Institution mit der Auswahl des Schiedsrichters beauftragen.
Wie auch immer: wer Schutz vor schlechten Trainern anstrebt, muß dafür von Anfang an etwas tun. Und von Anfang an heißt eben, schon mit Aufnahme der Vertragsverhandlungen.
 
 

Schreibe einen Kommentar

Back To Top