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Greif die Banane !

Wenn Sie mit dem Auto wegfahren, sollten Sie daran denken, dass Sie Benzin im Tank haben.
Wenn Sie Gäste zum Essen einladen, prüfen Sie, ob Sie genug Teller im Schrank haben (Tassen überspringen Sie).
Und wenn Sie sich ein Haus kaufen, prüfen Sie bitte, ob Sie überhaupt Geld dafür haben.

Alles Selbstverständlichkeiten ? Nun ja,  wie kann es dann sein, dass deutsche Unternehmen Geld für Werbeblöcke ausgeben, um die herum von unseren Fernsehsendern Ratgeber mit derartigen Lebensweisheiten verstrahlt werden ?
Und das Bücher die Bestsellerlisten anführen, in denen genau dies wortreich erläutert wird ?

Angeblich durchläuft der Mensch in den neun Monaten bis zur Geburt sämtliche Entwicklungszyklen vom Wurm bis zum  Affen und plumpst dann als Homo Sapiens auf die Erde, also als „Wissender“.

Das ist allerdings ebenso eine geschickt gestreute Lüge, wie in früherer Zeit diejenigen, wonach die Sonne sich um die Erde dreht oder ein Blitz den Zorn Gottes widerspiegele. Denn wie ich jetzt herausgefunden habe, ist der Mensch bereits vor der Entwicklung des Affen in einem parallelen Zweig der Evolution steckengeblieben.

Ein Affe immerhin ist in der Lage, sich einen Stuhl heranzuziehen, wenn von der Decke eine Banane herunterbaumelt, an die er auf bloßen Zehenspitzen nicht herankommt.

Wie aber die Sichtung der aktuellen Ratgeber-Dienstleistungen ergibt, kommt der moderne Mensch wiederum seinerseits an eine solche Intelligenzleistung nicht heran.

Denn er benötigt bereits zur Erhaltung seiner biologischen Grundfunktionen z.B. den Hinweis durch Dritte, dass er
ohne etwas zu trinken. Oder dass es hilfreich  sein kann, Nahrung zu kauen, bevor er sie herunterschluckt.
Und ebenso, dass er ab und zu einmal nachsehen soll, ob er bereits Darm und Blase entleert hat, um mögliche zum Tode führende Stauungen zu vermeiden.

Jenseits solcher Vitalfunktionen benötigen wir Rat dazu, wie wir unsere Geschlechtspartner finden, vornehm „Flirtschule“ genannt. Aber auch der Umgang mit so merkwürdigen Instrumenten wie Messer und Gabel kann selbst nach  30jähriger, offenbar erfolgloser Bemühung noch in Seminaren erlernt werden.
Die Juristen sprechen von einem untauglichen Versuch, wenn man z.B. glaubt, etwas zu klauen, was man schon längst besitzt.
Hier ist es natürlich umgekehrt: die Ratgeber suggerieren uns, wir könnten noch etwas lernen, obwohl wir dafür viel zu doof sind.
„Wie schreibe ich einen Brief“ ? – eine Frage, die notgedrungen nach zehn bis 13 Jahren Schule rätselhaft klingen muß.
Wie sage ich „danke“ oder „nein“ ? Und, allerdings nur für bereits sehr geübte Fortgeschrittene: „Entschuldigung“ ?

Ein Dauerbrenner sind übrigens auch Lebenshilfen zur Erziehung. Wie können wir es nur schaffen, unseren Kindern klarzumachen, dass sie ihre Kameraden nicht beklauen, erpressen oder foltern sollen ? Keine Sorge, auch das können wir lernen, es gibt genügend Ratgeber.
Allerdings erinnert mich das gerade an irgendein altes Sprichwort. Da war mal was mit einem Gärtner, der keinen Bock mehr hatte. Oder ein Bock, der einen Gärtner einstellen wollte.
Oder so.
Übrigens lese ich gerade ein Ratgeber-Buch: „Wie erinnere ich mich an alte Sprichwörter und an mein Geschwätz von gestern?“ – sehr zu empfehlen!

Und ganz neu im Angebot: „Wahrnehmungsstörungen beseitigen in zwei Tagen“: dort lernen wir, wie man die kaum überwindbare Hürde doch noch nimmt, aus unerfindlichen Gründen vor dem Supermarkteingang oder anderen Engstellen nicht abrupt stehenzubleiben und sodann wie eingefroren zu verharren.
Wir Menschen sind nunmal soweit hinter den Affen zurückgeblieben, dass wir es für uns praktisch unmöglich ist, auf die Idee mit dem Stuhl zu kommen.
Aber neulich behauptete doch tatsächlich jemand, es habe einmal – für einen ganz kurzen Augenblick — eine Zeit gegeben, in der die Menschen Intelligenz besaßen und sich eigenständig entwickeln konnten.
Ich frage mich nur: wann soll das gewesen sein ?

Ihr Kai Stumper

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