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Genießen will gelernt sein

Früher waren es  die hungernden Kinder in Afrika. Ab und zu kam mal eine Überschwemmung dazu. Manchmal irgendeine Schlacht-Orgie wie im Sudan.

Das war wenigstens irgendwie weit weg. Man mußte sich nur daran gewöhnen, bei den Nachrichten trotzdem noch zu essen.
Das war schwierig.

Aber jetzt. Die Einschläge kommen immer näher. Geld weg, Job weg, Rente weg, Krankengeld weg.
Wie soll man da noch gelassen bleiben ? Es bleibt einem das Wurstbrot im Halse stecken.

Aber muß es immer Wurstbrot sein ?
„Genießen, solange es noch geht“- mit diesem Spruch inseriert ein Eishersteller in großen Illustrierten.

Laßt uns alle noch gemeinsam ein großes Eis essen und dann zusehen, wie die Welt untergeht.

Auto zu teuer ? Abwrackprämie.
Krise ? Wir haben ja die Kurzarbeit.
Kein Geld ? Kredit aufnehmen.
Es ist alles so einfach. E wie einfach. Oder besser gesagt:“easy“.

Wir haben keine Schuld daran, dass in Afrika Kinder hungern. Und wir haben  auch keine Schuld daran, dass die Amis   auf Pump gelebt haben. Und auch nicht daran, dass die Banker, oder besser: die Manager im Allgemeinen sich die Taschen vollgestopft haben.

Eigentlich haben wir an gar nichts die
Schuld. Wir sind ja nur die letzten in der Kette, wir können nichts ändern.

Und da das alles so ist, können wir es uns wenigstens nochmal gemütlich machen: ein Eis essen, nochmal schön Urlaub machen, ein neues Auto kaufen.

Eigentlich ist das Leben doch wie ein schöner Traum.

Und eines Tages, wenn wir eigentlich langsam mal aufwachen müssten, sind wir schon tot, vielleicht, weil uns mitten im Traum beim Eis essen der Schlag getroffen hat.
Ein schöner Tod.

Dann werden sich unsere Kinder um die Dinge kümmern.
Die haben auch ein Eis gekriegt. Ein etwas kleineres ,weil sie selbst ja noch  klein sind.
Sie werden uns dankbar sein.

Oder uns verfluchen…

Ihr Kai Stumper

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