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Fragen beim Einstellungsgespräch

Ist das überhaupt erlaubt? Diese Frage wird oft im Zusammenhang mit Fragen an den Bewerber im Rahmen von Einstellungsgesprächen gestellt. Hier antworten Arbeitsrechtler gern mit einem entschiedenen "Jein". Der Grund liegt darin, dass einerseits Fragen an einen Bewerber, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang zum angestrebten Job stehen, nur mit dessen Einwilligung zulässig gestellt werden können. Aber andererseits: welcher Bewerber verbietet dem freundlichen Personalchef auf der anderen Seite des Tisches schon den Mund 
Noch extremer: wer will verhindern, dass ganze Heerschaaren von Bewerbern geradezu darum bitten, sie in einer Art "big-brother-Container zur Bewerberauswahl" zu durchleuchten?
Manche realen Assessment-Center lassen das Lächeln über derlei Ideen gefrieren. Während der Kampf um die Gunst der Jury hinter einem reißfesten Film guter Laune unsichtbar zu werden scheint, wird gesammelt, analysiert und gespeichert, dass so manchen Datenschützern die Haare zu Berge stehen. Nur schwer lässt sich die angebliche Freiwilligkeit der Bewerber rechtlich wieder auf ein Maß zurückführen, dass dem "Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden" (womit Gerichte den Begriff der "guten Sitten" zu erklären versuchen) entspricht, falls es sowas noch geben sollte. Denn wie will man herausfinden, welche Informationen freiwillig fließen und welche nur deshalb gegeben werden, weil der Bewerber um jeden Preis die Chance auf den Job nutzen will ?

Viele Ideen und Vorlagen sind entstanden, um das Arbeitsrecht (auch) in diesem Punkt zu reformieren. Vom kompletten Verbot bestimmter Fragen über einen bestimmten Zweck hinaus bis zum Recht auf Lüge, das die Gerichte teilweise anerkennen.
Einigermaßen sicher läßt sich momentan festhalten:

  • Fragen an Bewerber hinsichtlich persönlicher Verhältnise sind nur insoweit zulässig, als sie in einer konkreten und direkten Beziehung zum angestrebten Tätigkeitsfeld stehen. 
  • Darüber hinausgehende Fragen können erlaubt sein, weil gesetzliche Bestimmungen dies verlangen oder weil der Bewerber freiwillig einwilligt 
  • Wann eine Einwilligung freiwillig gegeben wird, ist von Fall zu Fall zu beurteilen. 
  • Die Einwilligung bedarf einer vorherigen Belehrung und muß schriftlich erfolgen, wenn über die bloße Information hinaus eine Speicherung der gewonnenen Erkenntnisse in Dateien erfolgen soll. 
  • Jeder weitere Schritt der Datenverarbeitung, zum Beispiel die Übermittlung an einen Dritten, bedarf ebenfalls einer Einwilligung. 
  • Werden im Bewerbungsgespräch Fragen gestellt, die unzulässig sind, so darf der Bewerber lügen, ohne deshalb später mit Abmahnung, Anfechtung, Kündigung oder ähnlichen Restriktionen rechnen zu müssen. 
  • Die Verwertung von Sprache, Schrift oder anderen Äußerungen und Verhaltensweisen eines Bewerbers für Analysen durch Astrologen, Schriftgutachter oder Psychologen ist ohne Einwilligung des Bewerbers nicht erlaubt. 
  • Genetische Analysen sind grundsätzlich unzulässig, auch, wenn der Bewerber eingewilligt hat. 
  • Der Bewerber bzw. Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Vernichtung der Daten, die für die weitere Bearbeitung nicht mehr benötigt werden, sofern sie persönliche Verhältnisse betreffen. 
  • Jeder Bewerber bzw. Arbeitnehmer hat einen Auskunftsanspruch hinsichtlich der über ihn gespeicherten Daten. 

Schon gibt es erste virtuelle Assessment-Center, die auf den Homepages der Unternehmen bereitstehen, um die Auswahl zu rationalisieren. Zumindest im Verhältnis zwischen Unternehmen und Trainern dürfte ein solches Vorgehen aufgrund der unternehmensseitigen Diskretionswünsche noch auf sich warten lassen. Aber für die verbleibenden Bereiche steht die Tendenz fest: hinein ins Internet. Auch dort driften Wünsche und juristische Wirklichkeit auseinander. Viele unternehmenseigene Internetseiten betrachten den Bewerber zwar als Kunden, scheinbar jedoch immer noch im falsch verstandenen Sinne. Als ob man dem Bewerber klarmachen müsse, wie schön die Produkte und Leistungen des Unternehmens sind, wird dort um die Wette geprahlt. Wirklich Essentielles ist noch selten.

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