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Erstellen und Veräußern von Seminarmaterial Teil II

Dr. Kai Stumper, Rechtsanwalt

Viele Klauseln in Trainerverträgen, soweit sie sich mit Urheberrechten befassen, sind nicht wirksam. Wie kommt es, dass dennoch solche Verträge so oft abgeschlossen werden? Antwort: es herrscht einerseits Unwissenheit auf beiden Seiten, Trainern und Bildungsträgern; aber andererseits wird von Seiten vieler Träger auch schlicht "gepokert": was der Trainer nicht weiß oder wogegen er sich nicht zur Wehr setzt, kann vermeintlich nur von Vorteil für das Unternehmen sein. Dass dies ein Irrtum ist, wurde bereits im ersten Teil erklärt. Oft werden aber auch ohne böse Absicht der Träger Grenzen überschritten.

 

Das häufigste und gleichzeitig größte urheberechtliche Missverständnis in der Bildungsbranche liegt darin, dass die Entscheider überwiegend glauben, durch den Kauf von Seminarmaterial erhielten sie gleichzeitig alle Rechte daran. Das ist aber grundlegend falsch. Dies mag folgendes Beispiel verdeutlichen:

 

Wer als einer von 100.000 Käufern ein Buch im Laden kauft, erhält damit keines der folgenden Rechte:

  • es zu kopieren
  • es umzuschreiben
  • es einzuscannen und im Internet oder im unternehmenseigenen Intranet bereitzustellen
  • es mit anderen Büchern zu verbinden und ein neues
    Buch herauszugeben

Wer von einem Autor 100.000 seiner Bücher aufkauft, erhält ebenfalls keines dieser Rechte.

 

Wer von einem Autor ein Skript kauft, um es für hundert Seminarteilnehmer zu kopieren, erhält eben dieses Recht, aber dennoch keines der o.g. weiteren Rechte.

 

Oder würde Ihr Rechtsgefühl es Ihnen als legitim erscheinen lassen, wenn Sie ein 200 Seiten starkes Buch eines Trainers über neue Lehrtechniken kaufen, einscannen, dann 50 Seiten davon gegen eigene Ideen ersetzen und das Ganze dann als eigenes Werk herausbringen?

 

Daran mag deutlich werden, dass der Kauf von Seminarunterlagen überhaupt nichts mit der weiteren beliebigen Verwendung zu tun hat, wenn diese nicht Schritt für Schritt exakt vertraglich festgelegt wird. Es soll schon vorgekommen sein, dass Trainer, die unzulässige Weiterverarbeitungen gerügt haben, die Antwort erhielten: "Was wollen Sie? Freuen Sie sich doch, dass wir Ihr Material so gut finden – wir lieben es". Auch im Urheberrecht kann aber Liebe Sünde sein.

 

Viele Sünden werden ist in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund der elektronischen Bereitstellung von Material durch Trainer begangen. Diese Form der Weitergabe öffnet natürlich der unbefugten Weiterverwendung Tür und Tor. Oftmals wird Material auf Diskette oder als Mail erbeten und dann ohne das Wissen des Trainer Material kopiert, weiterverarbeitet, angepasst, verändert etc. Alle diese Varianten sind unzulässig, wenn sie nicht mit dem Trainer konkret besprochen wurden und er in sie eingewilligt hat. Unzulässig ist selbstverständlich auch die Umgehung oder Ausschaltung von technischen Schutzmaßnahmen, die der Trainer ergriffen hat, um die unbefugte Bearbeitung oder Veränderung seines Materials durch Dritte zu verhindern, etwa durch die Bereitstellung als pdf-Datei.
Schon gar nicht wird durch ein solches Einverständnis dem Trainer verboten, seine Unterlagen selbst weiter zu nutzen und folglich auch weiter zu verkaufen. Dies kann zwar vereinbart werden, bedeutet jedoch eine aus juristischer Sicht atypische Einschränkung der Urheberrechte des Trainers, die nur im Verhältnis steht, wenn gleichzeitig auch die Gegenleistung durch den Träger ein höheres Gewicht erhält, d.h., wenn mehr Geld fließt. 


Wofür zahlt man als Auftraggeber denn eigentlich noch (soviel) Geld?

 

An dieser Stelle fragen nun viele Auftraggeber, wofür sie denn eigentlich Geld bezahlen, wenn all dies so ist.
Die Antwort: für die Nutzung von Seminarmaterial für einen bestimmten Einsatzzweck, die dessen Ersteller mit seinem Know-How und unter seinem Zeiteinsatz produziert. Insofern besteht kein großer Unterschied zur eigentlichen Durchführung des Seminars selbst; nur die Zeitrahmen sind versetzt. Der Umstand, dass am Ende im Gegensatz zum Training vor Ort ein greifbares Produkt zurückbleibt, dass Begehrlichkeiten nach Weiterverwendung weckt, ist urheberrechtlich zunächst einmal irrelevant. Aber wie schon gesagt, kann man sich dieses Begehr als Auftraggeber ja auch zwanglos sichern, wenn es vertraglich entsprechend ausgestaltet wird und der dem Trainer angebotene wirtschaftliche Gegenwert zu einer Einigkeit führt.

 

 

 

Macht doch nichts – merkt ja keiner? 

Solange der Trainer Urheberechtsverletzungen hinnimmt, mag dies für den Auftraggeber nicht beunruhigend sein. Jeder Trainer kann jedoch innerhalb von 30 Jahren seine Ansprüche geltend machen; erst wenn er Kenntnis einer konkreten Rechtsverletzung hat, beginnt eine lediglich dreijährige Verjährungsfrist.
Damit ist jeder Auftraggeber einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt. In einigen Fällen gehen die zugesprochenen Summen über den eigentlichen Gegenwert des geschützten Werkes hinaus.
Daher ist es für einen Auftraggeber nicht allein aus wirtschaftsethischen, sondern vor allem aus betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoll, mit Trainern Verträge zu schließen, die genau festlegen, wie die Reichweite der Rechtseinräumung beschaffen sein soll.
Das kann in vielen Fällen dazu führen, dass das Investitionsvolumen für präventive Vertragsgestaltung und Lizensierung wesentlich geringer ausfällt, als für nachträgliche Schadensersatzansprüche, Prozessgebühren und Geldstrafen. 

 

 

 

  

Fragen und Antworten:

 

Muss ich auf meinem Material das berühmte © einfügen, um geschützt zu sein?

Sie müssen nicht, aber es dokumentiert in gewohnheitsrechtlich anerkannter Weise Ihre Urheberschaft, die dadurch vermutet wird. "Vermuten" heißt hierbei, dass jeder andere, der Ihnen diesen Umstand streitig machen will, die Beweislast dafür hat, dass Sie nicht der Urheber sind. Am besten fügen Sie stets noch hinzu "Alle Rechte vorbehalten".

Was kann ich tun, wenn ich feststelle, dass mein Material ohne mein Wissen verwendet und mein Urheberrechtsvermerk nachträglich von einem Dritten wurde?

Sie haben Rechte auf Schadensersatz für die Nutzung des Werkes ohne Ihre Erlaubnis und zusätzlich auf einen Zuschlag in gleicher Höhe wegen der Weglassung.


Kann ich mein Urheberrecht verkaufen, so dass ein Bildungsträger seinen Namen auf mein Material setzen kann?

Nein. Das Urheberrecht ist nicht verkäuflich. Es bleibt immer beim Urheber, es sei denn, es wird vererbt. Sie können Nutzungsrechte einräumen und dafür einen Gegenwert in Geld vereinbaren. Das Recht auf die Nennung als Urheber steht aber nur dem Urheber zu und niemand anderem. In der Praxis wird dies in weitem Umfang ignoriert. Urheber dulden dann oft diesen Zustand, müssen ihn aber nicht hinnehmen.

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