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Beten für den Anwalt

Ruft mich ein potentieller Mandant an und fragt an, ob ich mir mal seine Verträge ansehen könne, es gäbe da Unsicherheiten bei den AGB und beim Datenschutz.

Ich bejahe das natürlich.

Er schlägt daraufhin vor, ich könne ja mal „drüberschauen“ und ihm dann am Telefon erklären, ob da was zu tun sei und mit welchem Aufwand.

Ich weise darauf hin, daß bereits diese Tätigkeit anwaltliche Leistung darstelle und es je nach Umfang seiner Verträge (ich kannte sie ja noch gar nicht) durchaus eine halbe Stunde oder auch deutlich mehr dauern könne, bis ich sie überhaupt gesichtet hätte.

Nun erklärt er mir, er kenne mich ja gar nicht. Er habe das Bedürfnis, zu seinem Anwalt ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Das könne er aber ja erst, wenn er wisse, wie ich an die Dinge herangehe, wie ich arbeite und denke. Er stelle sich daher vor, daß ich ihm im Telefonat erstmal die Möglichkeit einräume, sich eine solche Meinung von mir zu bilden oder eben auch nicht.

Ich wende ein, daß dies ja, wenn man es mal abstrahiere, bedeute, daß er z.B. bei einem Arzt zunächst eine kostenlose Behandlung erwarte, um mal zu sehen, ob es ihm gelinge, ein Vertrauensverhältnis zu diesem Arzt aufzubauen.

Das weist er von sich. Dieser Vergleich hinke, er könne ja auch woanders hingehen, wenn ich es nicht nötig hätte.

Liebe potentielle Mandanten: bitte entschuldigt, daß ich mich fast zehn Jahre für zwei Examen und eine Promotion (nicht abgeschrieben und nicht gekauft) ausgebildet habe. Bitte seid mir nicht böse, daß ich in dieser Zeit keine Rentenansprüche erwerben konnte und für meine Ausbildung so viel Geld ausgegeben habe, wie andere Menschen zur gleichen Zeit in Ihre Eigentumswohnung investieren. Und bitte verzeiht mir die unglaubliche Dreistigkeit, die ja eigentlich darin liegt, daß ich nun nach dieser Ausbildung und weiteren 15 Jahren Berufserfahrung für meine Arbeit Geld verlange. Ich sollte das nicht tun, ich weiß. Es wäre besser, wenn ich einfach kostenlos tätig werde, und zwar so lange, bis mich jemand persönlich so lieb gewonnen hat, daß er mir ein bißchen was zusteckt. Bitte schließen Sie mich in Ihre Gebete ein, damit ich ein besserer Mensch werde.

 

 

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