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Arbeit oder Leben ?

Kennen Sie auch diese Sorte von Kollegen, die morgens als erste im Büro sind und abends als letzte das Licht ausmachen ?
Diejenigen, die um 17 Uhr schnell mal auschecken, um danach bis 23 Uhr hinterm Bildschirm zu verschwinden ?
„Leistung muß sich lohnen“, sagt die FDP seit einigen Jahren immer wieder.
Tja, und das stimmt ja auch. Wer 14 Stunden arbeitet, für den lohnt es sich eben mehr, als für denjenigen, der nur 12 arbeitet.
Noch klarer ist natürlich der Vergleich mit demjenigen, der gar keine Arbeit mehr hat.

Aber darin liegt wohl auch das Hauptmotiv.  Es geht nicht nur um Ehrgeiz. Es geht nicht nur darum, dass viele Karrieristen keine Zeit  mehr haben für Frau, Mann oder Kinder oder, was ja fast noch häufiger scheint, dass sie gar keine Frau, Mann oder Kinder (mehr) haben.

ES GEHT UM ANGST

Nein, es geht zumindest auch um Angst.
Arbeiten, vor allem aber mehr arbeiten, aus Angst vor dem Jobverlust.

Im Prinzip lautet die Rechnung also so: entweder, Sie kümmern sich um Ihre Familie oder Ihre Seele (oder beides, soll ja manchmal durchaus zusammenhängen).
Oder  Sie arbeiten so viel, dass Sie sich um diese „Dinge“ eben nicht mehr kümmern können.

Im einen Fall  rutschen Sie in der unausgesprochenen, inoffiziellen Sozialauswahl ganz nach oben (derer, die als nächste zu gehen haben).
Im zweiten Fall dürfen Sie sich fragen, wofür Sie so hart arbeiten, denn die Zeit, etwas  mit dem Ertrag anzufangen, haben Sie ja nicht mehr.

Das  sind die Zeichen einer Gesellchaft, die sich verzweifelt festklammert an einem Wohlstandsbegriff, der aus den 70er Jahren stammt und endgültig vorbei ist.

Ich erinnere mich an ein Gespräch, dass ich im Spätsommer 2007 führte. Der „Aufschwung“ war in vollem Gange und wir sprachen über die künftige wirtschaftliche Entwicklung.
Zu meinem Erstaunen  stimmte mein Gegenüber mir zu, als ich erklärte, dass dies das letzte Aufbäumen in Deutschland sein würde und in den nächsten Jahrzehnten der Abwärtstrend drastisch zunehmen werde.

DER GRÖßTE LUXUS WAR NICHT
DER WOHLSTAND

Hatten wir seherische Kräfte ?
Nein. Wir wußten noch nichts von Immobilienkrise und „bad banks“.
Aber wir wußten so ungefähr, wo der Unterschied liegt in der Arbeits– und Lebens-Philosophie von Kollegen in Asien zu uns.

Wie man das  findet, ist völlig gleichgültig. Denn wir werden uns vermutlich bis in die nächsten Generationen hinein damit anfreunden müssen, dass  unser größter Luxus nicht im materiellen Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte bestand.

Der größte Luxus war die Freiheit, sein Leben sehr weitgehend unabhängig von materiellen Erwägungen einrichten zu können und trotzdem nicht notleidend zu sein (was freilich eng zusammenhängt).

Diese Zeiten sind vorbei.
Sie haben also die Wahl: Tretmühle, Konkurrenzkampf, sicheres Aufgeben Ihrer Gesundheit — oder:  Zeit für sich, Ihre Familie, das Leben – allerdings ohne Geld.
Viel Vergnügen im 21. Jahrhundert.

Ihr Kai Stumper

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